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2014
Archive for: Dezember

„Als Übung definiere ich“, so der Philosoph Peter Sloterdijk, „jede Operation, durch welche die Qualifikation des Handelnden zur nächsten Ausführung der gleichen Operation erhalten oder verbessert wird.“ Und weiter in einer religionskritischen Betrachtung, in der er den Sport als eine Art Religionsersatz definiert: „Wir sind zur Selbstformung verdammt.”
Ja, so ist das beim Tischtennis. Immer den gleichen Bewegungsablauf trainieren, bis er ganz automatisch, fast im Schlaf sitzt. Und das Spiel immer schön wichtig nehmen, nun ja, aber nicht zu wichtig. Warum schreibe ich das? Weil es über das Spiel gegen den Tabellenletzten nicht viel zu berichten gibt. Schon vor dem Spiel stellten wir uns auf einen flotten Sieg ein, nachdem die Glescher noch ohne Zwei und Drei kamen auf einen noch flotteren. Und so wurde es nur spannend, wenn die Glescher eins, Hosten, an die Platte ging; er konnte seine Spiele offen halten und in einem rasanten Schlagabtausch mit Johnny den Ehrenpunkt ergattern. Alle anderen Spiele waren mehr oder weniger klare Angelegenheiten. Hier log der TTR-Wert nicht, der teilweise Differenzen von über 200 Punkten aufwies. So, nun ist Zeit die müden Knochen zu schonen und Frohgemutes in die Rückrunde zu gehen.

Im Vorfeld hatten wir uns das so schön vorgestellt: Geyen von der Platte fegen, vier Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten haben, einen Schokoladen-Nikolaus mehr essen können und insbesondere eine sehr entspannte Rückrunde spielen. Daraus wurde nichts – und das war schnell klar. Da half alles Probieren und Trainieren am Mittwoch nichts, die Doppel stachen nicht. Das ausgedachte Konzept – starkes Doppel 1, bestmögliches Doppel 3, Opferdoppel – hätte durchaus funktionieren können, doch Benjamin und Frank spielten einerseits nicht konstant genug, andererseits hatten sie im entscheidenden Augenblick auch noch Pech. Jan und Rocky, das Doppel 3, brauchten zwei Sätzen zum Warmwerden, wandelten dann zielsicher auf der Gewinnerstraße, bis zur 9:5-Führung im 5-Satz, bevor sie die falsche Abzweigung nahmen und in der Verlängerung noch verloren. 0:3. Hartes Brot. Für Kai wurde es ganz hart. Im Auto betonte er noch, dass er ohne Spielverlust die Runde beenden wollte. Nach zwei Sätzen war er über einen gewonnenen Punkt, na ja, froh. Schmidt, sein Gegner, hatte so mal überhaupt keine Probleme mit Kais Spiel. Benjamin spielte klasse und sicherte uns den ersten Punkt. Eine Wende war dies nicht. Denn Frank verlor nach zwei gewonnenen Sätzen den Faden und die Ruhe. Die nächste unnötige 5-Satzniederlage. Kurz kamen wir durch Jan und Rocky noch einmal auf 5:3 ran, doch dann war es vorbei mit der schwach schimmernden Herrlichkeit. Jens spielte gut, nur nicht in den entscheidenden Momenten. Benjamin spielt sehr gut, nur sein Gegner sehr, sehr gut (mit Bezirksklasse hatte das so viel zu tun wie eine Luftpistole auf einer amerkanischen Waffenmesse, das war großes Kaliber). Und Kai kassierte gleich die zweite Niederlage, diesmal allerdings eine äußerst knappe; er führte im 5. Satz noch 9:7. Der Schlussakkord setzte Jan – oder ließ ihn setzen. Von den Aufschlägen seines Gegners Lackstätters irritiert fand er nicht zur Sicherheit und Konzentration. Das war’s. Natürlich war die Niederlage zu hoch, verdient war sie an dem Abend aber allemal.